Erst nicht so schön, dann doch

Wechselhaftes Wetter

Die Ausreise von Myanmar nach Thailand über den internationalen Flughafen von Mandalay und dannn weiter war interessant.

Einerseits, weil der Flughafen Mandalay eine Baustelle ist und die schäbigsten, bzw. präziser, die dreckigsten Flughafentoiletten seit langer, langer Zeit hatte. Zum zweiten war die Taxi-Warteschlange am Don Muang Flughafen (Air Asia und alle anderen Billig-Airlines) in Bangkok die mit Abstand längste, die ich seit geraumer Zeit gesehen habe. Das liegt daran, dass der Flughafen nicht wirklich an öffentliche Verkehrsmittel angebunden ist. Es gibt schlicht keine andere einigermaßen flotte Option – ein Desaster (man kann den Zug in die Stadt nehmen, aber das dauert… und danach braucht man dann doch ein Taxi, es sein denn man bleibt in Chinatown). Ich habe mir das Taxi mit einem holländischen Pärchen bis zur Kao San Rd. geteilt. Der Fahrer war aber nicht gewillt, mich danach zu meinem eigentlichen Ziel weiterzufahren. Nix zu machen. Andere Taxis nahe der Kao San Rd. haben völlig kranke Preise aufgerufen. Nix da, nicht mit mir, Freunde! Kurze Zeit später habe ich verstanden, warum. Ich bin zu Fuß weiter zur Hauptverkehrsstraße gestapft und am Democracy Monument mitten in eine riesige Menschenansammlung gelangt, die ich zunächst als Fest zu Ehren des Königs interpretiert habe. Aber obwohl es sich nach Volksfest angefühlt hat, war es de facto die zentrale Kundgebungsstätte der aktuellen Großdemonstrationen gegen die Regierung. Die Straßen ringsum waren komplett gesperrt. Ein, zwei Tage später ging es dann (allerdings an anderer Stelle) richtig zur Sache und die Demonstrationen wurden, wie leider des öfteren in Thailand, gewalttätig.

Da war ich bereits auf dem Weg nach Had Yai im Süden. Kaum angekommen die nächste Überraschung. Es regnet. Im Hotel habe ich dann erfahren, dass das schon seit längerem der Fall ist. Mein erstes Ziel war Ko Bulon Lee an der Westküste. Eigentlich sollte da um diese Jahreszeit bestes Wetter sein. Doch die Pläne ändern und ausweichen? Aber wohin? An der Ostküste sollte per Definition jetzt ganz sicher schlechtes Wetter sein… Also habe ich mich am nächsten Morgen nach Ko Bulon Lee aufgemacht. Es hat in Had Yai aber auch am Fähranleger in Pak Bara nur so geschüttet. Dann irgendwann gg. Mittag hat es nachgelassen. Auf der Insel war es zunächst kaum besser. Erster Tag trübe, zweiter Tag trübe plus Regen. Am dritten Tag dann … Sonne! Eine schöne, kleine Insel mit nur einer Hand voll Resorts. Dafür aber jede Menge Sandfliegen, die einen erbarmungslos piesacken. Nicht so schön.

Bagan und so

In Bagan sehr heiss (aber angenehmer als die schwühle Hitze von Yangoon)

Vom 11. bis zum 13. Jahrhundert wurden in der Ebene von Bagan viele Tausende Tempel errichtet. Davon sind heute noch einige Hundert zu sehen. Der Zahn der Zeit und Erdbeben haben der Bausubstanz schwer zugesetzt und die meisten der Bauwerke vernichtet. Aber selbst ein Bruchteil der einstigen Größe Bagans ist schwer beeindruckend. Das kann man am Besten von einigen wenigen Tempeln aus erfahren, die den Aufstieg auf Aussichtsplattformen erlauben und den Blick auf die weite Ebene ermöglichen. (Die meisten Tempel sind nur von außen zu besichtigen, diverse auch von innen.)

Bagan ist eine der Top Touristenattraktionen in Myanmar und gilt als eine der wichtigsten historischen und religiösen Stätten in Asien (weltweit?). Entsprechend viel ist los. Das macht weniger Freude. Selbst wenn die Besucherzahlen weit hinter denen von Thailand und anderen Ländern in der Region zurückliegen gibt es v.a. an den Haupttempeln eine Menge Rummel. Die Souvenirverkäufer, die teilweise auch den Weg weisen und ein wenig im Tempel herumführen, nerven dann doch. Und die Reisebusse mit der zahlungskräftigen Hauptzielgruppe der Goldenagers sind zahlreich. Mehr als genug Staub für die Individualreisenden auf Ihren Fahrrädern oder E-Bikes. Aber so ist es nun mal und es wird sich auch nicht aufhalten lassen. Bleibt zu hoffen, daß Alles in gesunde und vertretbare Bahnen geleitet wird. Vielleicht.

Der letzte Abstecher in Myanmar war Hsipaw. Die Lage in den Bergen bedingt ein angenehmes Klima, ähnlich wie am Inle See. Und auch sonst ist es vergleichbar, nur dass es weniger Besucher als am See gibt. Die Landschaft ist hügelig bis bergig und überall sieht man die gelben Blüten der Sesamfelder und wilde Sonnenblumen. Ich habe abgesehen von einem halbtägigen Spaziergang durch die Dörfer in der Umgebung nicht allzuviel untenommen. Obwohl es nicht allzu schwierig ist, Myanmar individuell zu bereisen ist es auf die Dauer dann doch anstrengend. Die Hitze, der Staub, der Lärm, das mäßige Essen und der in den größeren Städten grauenhafte Verkehr. Trotzdem ein wirklich tolles Land.

Road to Mandalay

Wetter: angenehm. Tags heiß und abends kühl

Taunggyi bzw. das Festival war wie gesagt ein Abstecher. Ich habe in Nyaungshwe am Inlee See residiert. Das Örtchen hat sich scheinbar in den letzten Jahren sehr gewandelt. Es ist immer noch sehr nett und teilweise verschlafen, aber das Touristenaufkommen ist extrem hoch. Die Welle ist bereits angekommen. Der Großteil der Besucher kommt offensichtlich in Gruppen (dicker Bauch mit Kamera, Sandalen und weiße Socken). Aber auch die Individualtouristen kommen in großer Zahl. Insgesamt scheint Frankreich dabei die Spitzenposition einzunehmen, dicht gefolgt von Deutschland. Der Rest ist bunt gemischt. Warum gerade Deutsche und Franzosen dominieren ist rätselhaft.

Ich habe die Zeit am See genossen. Das angenehme Klima, der relativ beschauliche Ort, gute Gastronomie („Beyond Taste“ Restaurant!) und die schöne Umgebung bieten ideale Voraussetzungen dafür. Man kann kurze oder lange Ausflüge per Fahrrad unternehmen oder sich per Boot über den See fahren lassen. Beides ist schön und empfehlenswert. Aber auf den kleinen mehr oder weniger befestigten Straßen rund um Nyaungshwe trifft man fast weniger Touristen als auf dem riesigen See. Auf dem Wasser bekommt man erst ein Gefühl für die Anzahl der Besucher. Es sind hunderte Boote unterwegs, die mehrheitlich die gleichen Ziele ansteuern. Dann kann es ziemlich voll und wenig beschaulich werden. Möglicher Weise ist der Eindruck während der Zeit des Festivals aber nicht ganz repräsentativ, da auch Massen von einheimischen Reisegruppen vor Ort waren und die freien Tage genutzt haben.

Per Zufall habe ich die Reisepläne eines Pärchens aus Köln mitbekommen und wir waren uns schnell einig zusammen ein Taxi für die Weiterreise zu teilen. Über Pindya nach Mandalay. 100€ geteilt durch drei für 11 Stunden Fahrt ist fair. Pindaya liegt im Danu Tal nördlich von Nyaungshwe und ist sonst eher schwer zu erreichen. Hauptsehenswürdigkeit ist die Höhlenpagode mit über 8.000 Buddhastatuen. Die Höhle und die Statuen sind interessant, allerdings haben wir nicht in Betracht gezogen, dass andere ähnliche Pläne haben könnten. D.h. es war extrem voll. Aber die Fahrt durch das Tal und weiter über die Nebenstrecke nach Mandalay war großartig. Eine Bilderbuchlandschaft von sanften Hügeln gesprenkelt mit Feldern in allen Schattierungen von rot, grün, gelb, und braun. Überall sind die Bauern auf Ihren Ochsenkarren unterwegs oder mit der Ernte per Hand beschäftigt. Das sagt alles über den agrarischen Entwicklungsstand und die Einkommensverhältnisse für die Mehrheit der Bevölkerung aus.

Danach ging es in die Berge wobei unschöner Weise die Bremsen des Taxis den Dienst vorübergehend versagt haben. Nach einer kurzen Pause war aber zum Glück alles wieder in Ordnung – zumindest sind wir heile und nicht allzu spät in Mandalay angekommen. Und das telefonisch reservierte Zimmer stand tatsächlich für mich bereit.

Feuer frei

Das Ballonfestival in Taunggyi ist ein must see, wenn sich die Gelegenheit bietet. Ich hatte die Chance und habe sie genutzt. Von Nyaungshwe am Inlee See aus kann man sich abends nach Taunggyi bringen lassen. In Taunggyi selbst könnte man theoretisch auch unterkommen, aber dazu muß man weit weit vorher reservieren. Sonst gibt es keine Hoffnung auf ein Zimmer. Und auch in Nyaugshwe ist es aktuell sehr sehr eng. Man sieht viele Reisende mit Gepäck herumirren und kann viele vergebliche Anfragen vom Hostelgarten aus mitverfolgen. Ausgebucht scheint aktuell ebenfalls so ziemlich jeder Bus sowohl nach als auch von Nyaugshwe (Inle See) heraus zu sein.

Zurück zum Festival selbst. Das ist dieses Jahr vom 11. bis 17. November, wobei am letzten Tag hauptsächlich die Preisverleihungen anstehen und die letzten beiden Tage davor rappelvoll mit Besuchern sind. Ich war am Abend des 14. da und für meinen Geschmack war es voll genug. Um zum eigentlichen Gelände zu kommen läuft man einen knappen Kilometer vorbei an diversen Buden und Ständen. Neben der zu erwartenden Verpflegung, Tinneff, Losbuden und Kleidung aller Art fallen dabei Unmengen an Promotionständen auf: Whiskey, Rum, Instant-Kaffee, Zigaretten, Waschmittel, Kochhilfen (Knorr!) etc. etc. Alles wird mit voll aufgedrehten Boxen und Techno-Musik angepriesen. Konsum, Konsum! Dazu gibt es noch improvisierte Diskotheken, die hoch im Kurs der einheimischen Jugend stehen. Sowas gibt hier es sonst nicht.

Das sehr große, offene Festivalgelände wird von den erwähnten Buden und zusätzlich ein paar Fahrgeschäften eingerahmt. Dazu noch TV-Tribühnen und Scheinwerfer-Türme. Das Gelände ist frei zugänglich und wimmelt von Menschen. Mittendrin bereiten dann nacheinander die teilnehmenden Teams Ihre Ballons vor. Man kann man alles direkt in Reichweite verfolgen – vorausgesetzt es ist nicht zu voll und man kann seine Position gegen die nachdrängenden Schaulustigen behaupten. Die Vorbereitungen erfolgen in Teams, wobei alle von einer mitgebrachten Musikergruppe lautstark unterstützt werden. Ein Team breitet den Ballon aus, während ein anderes sich um Bambusfackeln und den benzingetränkten Bambusbrenner kümmert. Dann wird der Ballon von gepolsterten Bambusstangen angehoben und die Fackeln daruntergehalten. Der Ballon füllt sich sehr schnell, der Brenner wird angezündet und schließlich die vom letzten Team vorbereiteten Effekte angehängt. Dann hebt alles ab und steigt hoch in den Nachthimmel. Und irgendwo kommt das Ganze dann wieder runter. Aber das ist eine andere Geschichte.

Es scheint zwei Kategorien von Ballons und Effekten zu geben. Die erste ist die Kerzenvariante, die sehr malerisch ist. An die aufwendig bemalten Ballons werden außen unzählige Kerzen angehängt, die den Ballon beleuchten und/oder einen Schriftzug/ Bild ergeben. Unten werden dann ebenfalls Kerzen in einem Bambusgerüst angehängt, die einen Schriftzug/ Bild zeigen. Die zweite Kategorie sind die Feuerwerkballons. Sie tragen eine beachtliche Batterie an Feuerwerkskörpern empor, die schon sehr kurz nach dem Start losgehen. Ein kleiner Teil der Raketen schießt dabei mitten in das Publikum, das den Startplatz umringt. Alles andere als ungefährlich, auch wenn der Start glatt verläuft. Im anderen Fall dürfte es wohl eine Massenpanik geben…

Nichts desto trotz ist das Fest ebenso groß- wie einzigartig und ein weiteres Reisehighlight.

Im Süden (2)

Wetter: heiss

Von Mawlamyine kann man entweder mit dem Bus oder dem Boot nach Hpa-An fahren. Ich habe das Charter-Boot (Breeze Guesthouse, Mawlamyine) gewählt. Die Fahrt auf dem riesigen Thanlwin Fluß ist ausgesprochen schön und entspannt. Und überall in den kleinen Dörfern winken die Kinder begeistert den vorbeifahrenden Fremden zu. Klasse.

Hpa-An ist die Hauptstadt des Kayin Staats in der Union von Myanmar. Die Stadt ist deutlich kleiner als Mawlamyine und auch nicht ganz so schön. Aber in der Umgebung gibt es diverse Sehenswürdigkeiten. Die Landschaft mit den Kalksteinfelsen und Reisfeldern erinnert an Laos (Gegend um Vang Vieng) bzw. Süd-Thailand (Region Krabi). Die meisten kann man an einem Tag auf einer geführten Tour (Soe Brothers, Hpa-An) besichtigen.